
Großes Lagerhaus mit hohen Decken, heller Beleuchtung und Reihen von hohen Regalen, die auf beiden Seiten mit gestapelten Kisten und Paketen gefüllt sind; der polierte Boden spiegelt die Regale und Kisten wider.
DIN EN 17037 - Tageslicht in Gebäuden
Bedeutung, Anforderungen und praktische Umsetzung
Kurz & bündig:
- Tageslicht steigert nachweislich das Wohlbefinden, die Produktivität und Konzentration am Arbeitsplatz.
- Die DIN EN 17037 definiert Anforderungen an die Tageslichtverfügbarkeit, Sichtverbindung und den Sonnenlichteinfall in Innenräumen.
- Tageslicht ist zwar nicht immer Pflicht, aber ein zentraler Bestandteil von modernen Lichtplanungen.
- Auch ohne natürliche Lichtquellen lässt sich mit einer professionellen Lichtplanung eine tageslichtähnliche Umgebung schaffen.
Warum ist Tageslicht am Arbeitsplatz so wichtig?
Natürliches Tageslicht beeinflusst unser Wohlbefinden, unsere Leistungsfähigkeit und unsere Gesundheit auf vielfältige Weise. Studien belegen, dass Menschen in Büros mit ausreichend Tageslicht produktiver, motivierter und zufriedener sind.
Das Licht des Tages reguliert nämlich den zirkadianen Rhythmus – also unsere innere Uhr. Damit beeinflusst es die Ausschüttung von Hormonen wie Melatonin und Cortisol, die wiederum unseren Schlaf, Konzentration und Stimmung steuern.
Für Unternehmen bedeutet das: Gute Tageslichtverhältnisse tragen nicht nur zur Mitarbeiterzufriedenheit bei, sondern können auch die Produktivität erhöhen, die Arbeitsleistung steigern und Krankheitstage reduzieren.
Welche Aspekte greift die DIN EN 17037 auf?
Die DIN EN 17037 „Tageslicht in Gebäuden“ ist seit 2018 der zentrale Standard für die Bewertung und Planung von Tageslicht in Innenräumen. Sie richtet sich an Architekten, Planer und Bauherren und dient als Leitlinie, um Räume mit ausreichend Tageslicht zu gestalten.
Die Norm behandelt im Wesentlichen vier Kernaspekte:
- Tageslichtverfügbarkeit: Also die Menge an natürlichem Licht, die in den Raum gelangt.
- Tageslichtversorgung: Wie gleichmäßig und ausreichend ist das Licht verteilt.
- Sichtverbindung nach außen: Denn der Blick ins Freie wirkt sich positiv auf die Konzentration und das Wohlbefinden aus.
- Sonnenlichteinfall: Der direkte Einfall von Sonnenstrahlen in den Raum, z. B. zur Unterstützung der natürlichen Beleuchtung oder zur thermischen Nutzung.
Was sind die wichtigsten Inhalte der DIN EN 17037?
Die Norm DIN EN 17037 definiert konkrete Bewertungskriterien und Mindestanforderungen:
- Die Tageslichtversorgung wird über den Tageslichtquotienten ermittelt. Das ist ein Maß dafür, wie viel Tageslicht im Verhältnis zum Außenlicht in den Raum gelangt.
- Sie unterscheidet zwischen den Mindestwerten, die eingehalten werden müssen, und den Empfehlungswerten, die für besonders gute Lichtverhältnisse sorgen.
- Zusätzlich beschreibt sie Bewertungsverfahren für Sichtverbindungen: Die Position und Größe von Fenstern sowie der Blickwinkel nach außen spielen dabei eine Rolle.
- Auch die Raumtiefe und die Anordnung von Arbeitsplätzen fließen in die Bewertung mit ein – insbesondere bei Büroräumen, Werkstätten und Unterrichtsräumen.
Ist Tageslicht an Arbeitsplätzen eine Pflicht?
Grundsätzlich fordert die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) in Verbindung mit der Technischen Regel ASR A3.4, dass Arbeitsräume „möglichst ausreichend Tageslicht“ erhalten sollten und eine Sichtverbindung nach außen bestehen soll.
Konkret bedeutet das: Tageslicht ist keine absolute Pflicht, aber es sollte nach dem Stand der Technik und den baulichen Gegebenheiten angestrebt werden.
Bei Räumen ohne Fenster oder mit einem eingeschränktem Lichteinfall muss eine künstliche Beleuchtung eingesetzt werden, die dem natürlichen Tageslicht so gut wie möglich nachempfunden ist, z. B. durch die Nutzung biodynamischer Lichtsysteme (Human Centric Lighting).
Sollte Tageslicht in einer Lichtplanung berücksichtigt werden?
Ja – unbedingt.
Eine professionelle Lichtplanung bezieht immer sowohl natürliche als auch künstliche Lichtquellen ein. Tageslichtplanung bedeutet, dass Fensterflächen, Raumorientierung und Möblierung so zu gestalten sind, dass das verfügbare Licht optimal genutzt wird.
Das spart nicht nur Energiekosten, sondern trägt auch zu einem gesunden und angenehmen Arbeitsumfeld bei.
Durch eine intelligente Tageslichtsteuerung können die Leuchten auch automatisch gedimmt oder geschaltet werden, sobald genug natürliches Licht vorhanden ist – so entsteht ein harmonisches, effizientes Lichtkonzept.
Dennoch:
Gleichzeitig ist zu beachten, dass sich Unternehmen bei der Beleuchtungsgestaltung auch an die DIN EN 12464-1 „Beleuchtung von Arbeitsstätten in Innenräumen“ halten müssen.
Diese Norm legt verbindliche Mindestwerte für die künstliche Beleuchtung fest – beispielsweise hinsichtlich der Beleuchtungsstärke, Gleichmäßigkeit und Blendungsbegrenzung.
Die geforderten Werte müssen unabhängig vom Tageslicht eingehalten werden, also auch dann, wenn eben kein natürliches Licht zur Verfügung steht, wie etwa in den Wintermonaten oder bei Nachtschichten.
Aus diesem Grund wird im gewerblichen Bereich häufig nur das künstliche Licht berechnet, während das Tageslicht ergänzend in die Planung einfließt, um die Energieeffizienz und visuelle Qualität zu verbessern.
Praktische Tipps, wenn kein Tageslicht zur Verfügung steht
Nicht jeder Arbeitsplatz verfügt über ausreichend Fenster oder natürliche Lichtquellen. Mit den richtigen Maßnahmen lässt sich jedoch ein tageslichtähnliches Raumgefühl erzeugen:
- Verwendung biodynamischer Beleuchtung (Human Centric Lighting), die den natürlichen Tagesverlauf nachahmt.
- Hoher Blauanteil am Morgen (aktivierend), wärmere Lichtfarben am Abend (beruhigend).
- Indirekte Beleuchtung und helle Oberflächen zur gleichmäßigen Lichtverteilung.
- Lichtsteuerungssysteme zur automatischen Anpassung der Beleuchtung an Uhrzeit oder Tätigkeit.
- Bewusst gewählte Farbtöne im Raum, die das Licht reflektieren und das Raumklima verbessern.
Fazit
Tageslicht ist weit mehr als nur eine Energiequelle. Es ist ein zentraler Faktor für die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Produktivität am Arbeitsplatz.
Die DIN EN 17037 bietet hierfür einen klaren Rahmen und hilft dabei, Gebäude und Arbeitsplätze zukunftsorientiert zu gestalten.
Doch selbst dort, wo kein Tageslicht vorhanden ist, lässt sich mit moderner LED-Technik und einer professionellen Lichtplanung ein Umfeld schaffen, das dem natürlichen Licht sehr nahekommt.
Die Saxonia Licht unterstützt Sie dabei, eine optimale Balance zwischen Tageslicht und künstlicher Beleuchtung zu finden – für mehr Wohlbefinden, Energieeffizienz und nachhaltige Lichtlösungen in Ihrem Unternehmen.
